Apfelverkostung Winterprinz Brettacher Gewürzapfel

Apfelverkostung auf der Reißinsel

Katrin Back Am 13.10.2013 führte die Untere Naturschutzbehörde zum dritten Mal eine Apfelverkostung auf der Reißinsel durch.
Die rund 60 Interessierten trafen Katrin Back und Thomas Kilian von der Unteren Naturschutzbehörde am Strandbadparkplatz. Von dort aus ging es in Richtung Reißinsel. An der Infotafel am Eingang zur Reißinsel erklärte Katrin Back erst einmal, dass die Reißinsel eigentlich aus 3 Inseln besteht, die durch das Verlanden der dazwischenliegenden Altrheinarme zu einer geworden ist. Die Reißinsel ist auch gar keine Insel, sondern eine Halbinsel.

Nach diesen einführenden Worten ging es weiter in Richtung der Streuobstwiesen.

Einige Fakten zu den Streuobstwiesen der Reißinsel:

  1. Auf der Reißinsel gibt es rund 16 ha Streuobstwiesenfläche. Somit ist die Mannheimer Streuobstwiese die größte in der Oberrheinebene.
  2. Die Streuobstwiesen sind gar nicht so alt, wie man vielleicht denken mag: Sie wurden erst nach dem 2. Weltkrieg angelegt.
  3. Auf den Wiesen stehen rund 600 Obstbäume, von denen jedoch nicht alle Früchte tragen. Diese 600 Bäume gehören zu etwa 80 verschiedenen Obstsorten: Es gibt ~60 Apfelsorten, der Rest verteilt sich auf Zwetschgen, Mirabellen, Birnen und Kirschen.
  4. Die Obstbäume werden nach BIO-Richtlinien bewirtschaftet, was bedeutet, dass die Wiesen extensiv genutzt und weder Dünger noch Pestizide eingesetzt werden. Blatt- und Erdbodenproben müssen regelmäßig eingeschickt werden, damit dies überprüft werden kann.

Thomas Kilian Im Laufe eines Jahres müssen die Bäume geschnitten und die Wiesen gemäht werden. Die erste Mahd erfolgt meist ab dem 15.6.. Eine zweite folgt später im Jahr und dient dazu, den Pappelbewuchs klein zu halten. Würde man dies nicht machen, wären die Wiesen früher oder später ein Pappelwald. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen werden umgestürzte Obstbäume durch neue ersetzt. Zur Info: Durch das diesjährige Hochwasser sind etwa 60 Bäume umgefallen!
Um bei diesen Ausgaben am Ende Null auf Null rauszukommen, müssten im Jahr etwa 25 Tonnen Äpfel gepflückt werden. Diese Äpfel werden anschließend von der Firma Falter zu BIO-Apfelsaft verarbeitet. Diesen Ertrag bringt die Reißinsel jedoch nur in sehr guten Jahren (in den letzten 13 Jahren nur einmal!), so dass die Streuobstwiesen in den meisten Jahren ein Zuschussgeschäft der Stadt sind. Dieses Jahr lag der Ertrag aufgrund des sehr kühlen Frühlings und des Hochwassers, durch das die Reißinsel über einen längeren Zeitraum 50-60 cm unter Wasser stand, bei weniger als 1 Tonne. Tragen die Bäume so schlecht, lohnt sich das Ernten nicht, und die Äpfel bleiben an den Bäumen hängen. In besseren Jahren wird das Obst an 3 verschiedenen Terminen geerntet, da die vielen verschiedenen Sorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif sind.

Doch wieso pflegt man die Streuobstwiesen, wenn sie doch nur Geld kosten, wird sich nun der ein oder andere denken.
Streuobstwiesen sind aus ökologischer Sicht sehr interessante Lebensräume mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Insbesondere für Vögel, Insekten und Spinnen ist dies ein wichtiger Lebensraum. Um die Vögel nicht in ihrem Brutgeschäft zu stören, ist die Reißinsel deswegen auch jedes Jahr von 1. März bis 30. Juni geschlossen.
Streuobstwiesen weisen zwei deutliche „Stockwerke“ auf: Die Kronenschicht der Obstbäume, und die aus Gräsern, Kräutern und teilweise niederen Stauden bestehende Krautschicht. Durch den weiten Stand der Bäume ist die Krautschicht besonnt und sehr vital. Im Unterschied zu Obstplantagen, selbst wenn dort auf Insektizide und Herbizide verzichtet wird, sind Streuobstwiesen wesentlich artenreicher. Dies sieht man auch, wenn man z.B. im Hochsommer auf der Reißinsel spazieren geht. Über die Wiesen fliegen zahllose Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und Wespen, Meisen rufen aus den Baumkronen, der ein oder andere Specht hämmert auf einen Obstbaumstamm ein und eine Ringelnatter sonnt sich am Übergang von der Wiese in den Wald.
Außerdem dienen Streuobstwiesen dem Erhalt alter Obstsorten, was in Zeiten, in denen man im Supermarkt nur noch zwischen etwa 5 Apfelsorten wählen kann, besonders wichtig ist.

Maren Schick Nachdem wir nun sehr viel Hintergundwissen zu den Streuobstwiesen bekommen hatten, ging es zur nächsten Station, auf die sich alle schon freuten: Am Waldrand war ein großer Tisch mit verschiedenen Apfel- und Birnensorten, wie zum Beispiel der Gewürzluike oder der Köstlichen von Charneux aufgebaut. Maren Schick, die diesjährige FÖJlerin (FÖJ = Freiwilliges Ökologisches Jahr), erzählte einiges zu Namensherkunft, Aussehen und Geschmack der einzelnen Sorten. Anschließend konnten wir Besucher den Geschmackstest machen und schnell hatte jeder seinen Favoriten gefunden.

 

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