Frühblüher I

Die ersten schon fast sommerlichen Tage liegen nun hinter uns und wir haben die Sonne in vollen Zügen genossen. Auch die Natur hat von den angestiegenen Temperaturen profitiert und man konnte dabei zusehen, wie jeden Tag mehr Grün an Bäumen und Sträuchern erschien und bunte Tulpen so manchen Garten in ein Farbenmeer verwandelt haben.

Schneeglöckchen / Snowdrop / Galanthus nivalis Doch erinnern sie sich noch daran, wie es vor 1-2 Monaten aussah? Alles war grau in grau, und die Temperaturen lagen meist unter 0°C. Aber auch zu dieser Zeit gab es bereits die ersten Anzeichen, dass der Frühling vor der Tür steht. Die Schneeglöckchen waren die ersten Boten und auch Märzenbecher und die gelben Winterlinge ließen uns durch ihr Erscheinen wissen, dass die kalte Jahreszeit ihrem Ende zugeht.

Haben Sie sich beim Anblick dieser allerersten Frühblüher schon einmal gefragt, woher die kleinen Pflänzchen die Kraft nehmen, bei eisigen Temperaturen ihre Blätter und Blüten zu bilden? Schließlich gibt es kaum Sonnenlicht, mit dessen Hilfe bei der Photosynthese Energie gebildet werden könnte.
Das Geheimnis der Frühblüher liegt unter der Erde: Dort befinden sich Speicherorgane in Form von Zwiebeln, Knollen oder Rhizomen (Sprossachsen). Sobald die Tage länger werden und die Temperaturen etwas ansteigen, stehen somit genug Nährstoffe zur Verfügung, um gleich austreiben zu können.

Frühblüher kommen hauptsächlich in Buchen- und Auwäldern vor. Hier sind sie im Winter durch das heruntergefallene Laub etwas vor der Kälte geschützt; bei den ersten Sonnenstrahlen hingegen erwärmt sich die Blätterschicht sehr schnell, was ein weiterer Vorteil für die darunter befindlichen Pflanzen ist. Wenn die Wärme tiefer in den Boden eingedrungen ist, fangen auch die Bäume an, Blätter zu bilden, und sobald sich das Blätterdach geschlossen hat, bekommen die Pflanzen auf dem Boden nicht mehr genug Sonnenlicht. Die Frühblüher liefern sich also einen Wettlauf gegen die Zeit: Austreiben, Bestäubung der Blüten und Samenbildung sollten abgeschlossen sein, bevor es zu dunkel wird.

Obwohl nur wenige Wochen von den ersten günstigen Bedingungen zum Austreiben bis zur Dunkelheit des Blätterdachs vergehen, fangen nicht alle Arten gleichzeitig an zu blühen, sondern es gibt eine relativ feste Reihenfolge der Blühtermine, auch wenn sich, wie z.B. in diesem Jahr, die absoluten Daten des Austriebs nach hinten verschieben.

Märzenbecher / Spring Snowflake / Leucojum vernum Den Anfang bilden die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), die den Vor-Frühling einläuten. Frei übersetzt bedeutet der lateinische Name “milchfarbene Blume im Schnee”. Diese findet man nur an sehr wenigen Stellen im Waldpark (und die Vorkommen sind höchstwahrscheinlich auf das Abladen von Gartenabfällen zurückzuführen), dafür umso häufiger in den Vorgärten, wo sie gerne als Zierpflanze genutzt werden. Schneeglöckchen sind übrigens giftig. Aber wie heißt es so schön: “Die Dosis macht das Gift” und so wird einer der Pflanzenstoffe, das Galantamin, als Mittel gegen Demenz genutzt, und um das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu bremsen.
Es folgt der Märzenbecher (Leucojum vernum), der auch Frühlings-Knotenblume oder aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Schneeglöckchen ‘Großes Schneeglöckchen’ genannt wird. Wie das Schneeglöckchen ist auch der Märzenbecher giftig. In Deutschland stehen beide Arten auf der Roten Liste in Kategorie 3 (gefährdet) und sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz ‘besonders geschützt’. Das bedeutet unter anderem, dass man sie nicht pflücken darf.

Neben diesen beiden weißblühenden Arten gibt es auch sehr früh im Jahr die ersten Farbtupfer in Form des gelben Winterlings (Eranthis hyemalis). Auch der Winterling hat einen klangvollen Namen, wenn man den lateinischen übersetzt: “Frühlingsblume im Winter”. Der Winterling ist in Südeuropa beheimatet und in unseren Gefilden vor allem in Gärten und Parkanlagen zu finden, wo er zur Zierde angepflanzt wurde. Auch der Winterling zählt zu den Giftpflanzen, ist jedoch im Gegensatz zu Schneeglöckchen und Märzenbecher stark giftig und kann sogar zum Tod führen.

Zweiblättriger Blaustern / Two-Leaf Squill / Scilla bifolia Ebenfalls früh im Jahr beginnt der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia) zu blühen und der ganze Waldpark ist übersät mit kleinen blauen Blüten. Wie auch schon die oben genannten Arten gehört der Zweiblättrige Blaustern zu den Giftpflanzen und der Saft kann bei empfindlichen Personen sogar Hautreizungen hervorrufen. Diese Art ist leicht mit dem Sibirischen Blaustern (Scilla siberica) zu verwechseln, der gerne als Zierpflanze verwendet wird und z.B. im Luisenpark zu finden ist. Auch die Zweiblättrigen Blausterne haben den Status ‘besonders geschützt’ und sollen aus diesem Grund nicht gepflückt werden.

Weiterführende Informationen:
“Frühblüher” von Peter Rüther, Die Neue Brehm-Bücherei Band 661, ISBN 3894329165
Schneeglöckchen bei Wikipedia
Märzenbecher bei Wikipedia
Winterling bei Wikipedia
Zweiblättriger Blaustern bei Wikipedia

 

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