Frühblüher II

Buschwindröschen / Anemone nemorosa Wenn Schneeglöckchen und Blausterne bereits verblüht sind oder gerade verblühen (siehe auch Frühblüher I), geht es Schlag auf Schlag und der Waldboden verwandelt sich in ein Meer aus bunten Blüten. Allerdings dominiert die Farbe weiß, denn Buschwindröschen (Anemone nemorosa) sind aufgrund ihrer geringen Ansprüche an den Standort am häufigsten zu finden. Wenn man sich die Blüten genauer anschaut, findet man aber auch immer wieder welche, die rosa angehaucht sind. Es gibt auch welche mit gelben Blüten, allerdings handelt es sich hierbei um eine andere Art, nämlich das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides). Dieses hat einen höheren Anspruch an seinen Wuchsort, so dass es im Waldpark nur an wenigen Stellen zu finden ist. Die Blütenpracht aller Windröschen zeigt sich aber erst bei Sonnenschein – nachts und bei kühler Witterung sind die Blüten geschlossen.

Hohe Schlüsselblume / Oxlip / Primula elatior Gelbe Teppiche am Waldboden werden vom Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) gebildet. Die Blätter des Scharbockskrauts wurden früher aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts gegen Skorbut angewendet (Scharbock ist übrigens ein alter Name für Skorbut). Die Blätter können z.B. Salat beigemischt werden; allerdings sollte man nur kleine Mengen verwenden, da das in den Blättern enthaltene Protoanemonin giftig ist. Interessant ist auch die Fortpflanzungsweise des Scharbockskrauts: Es bildet keine Samen, sondern Brutknöllchen, die aus den Blattachseln auf den Boden fallen und zu neuen Pflanzen heranwachsen.
Ebenfalls gelb blüht die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), die auf manchen Wiesen im Waldpark zu finden ist. Wie auch das Scharbockskraut können Echte und Hohe Schlüsselblume medizinisch verwendet werden:  Aus den Blüten und Wurzeln kann ein schleimlösender Tee gebraut werden. Hohe, Echte und Stängellose Schlüsselblume dienen außerdem den Raupen des Schlüsselblumen-Würfelfalters als Nahrung.

Neben weiß und gelb finden sich aber auch lila bzw. pink im Wald. Beide Farben gleichzeitig findet man beim Echten bzw. Gefleckten Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), das aufgrund seines Aussehens auch Blaue Schlüsselblume genannt wird. Bei dieser Pflanze sind die jungen Blüten erst pink gefärbt, mit zunehmenden Alter werden sie blau. Das können auch Bienen erkennen: Sie bevorzugen die jungen, pinkfarbenen Blüten, da diese mehr Nektar enthalten. Wie auch beim Scharbockskraut deutet der Name “Lungenkraut” auf eine medizinische Verwendung hin. So wird das Echte Lungenkraut seit dem Mittelalter gegen Lungenleiden eingesetzt, da seine Inhaltsstoffe (u. a. Kieselsäure, Schleime, Saponine, Gerbstoffe und größere Mengen Mineralien) hustenreiz- und entzündungshemmend wirken.

Hohler Lerchensporn / Corydalis cava Nur an sehr wenigen Stellen findet man im Waldpark den Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava). Dieser kommt auch in einer weißen Variante vor, doch weitaus öfter sieht man die pinkfarbene Form. Wegen des langen Sporns der Blüten können nur Insekten mit einem langen Rüssel an den am Spornende befindlichen Nektar gelangen. Doch die Insekten wissen sich zu helfen: Ist der Rüssel zu kurz, beißen sie kurzerhand den Sporn am Ende auf und gelangen so doch noch an den Nektar. Interessant ist auch, wie der Samen verbreitet wird: Ist er reif, so fällt er auf den Boden, wird dort von Ameisen aufgesammelt und in deren Bau getragen. Die Ameisen sind allerdings nicht an dem Samen selbst interessiert, sondern an dem Elaiosom, einem fett- und zuckerreichen Anhängsel. Dieses wird im Bau vom Samen abgefressen und der uninteressante Rest, also der Samen, wieder aus dem Bau befördert. Neben den Samen des Hohlen Lerchensporns werden auch die von Schneeglöcken, Echtem Lungenkraut und Veilchen durch Myrmekochorie (= Verbreitung der Samen durch Ameisen) verteilt.

Veilchen / Viola spec. À propos Veilchen: Diese gehören natürlich auch zu den Frühblühern. Im Waldpark kann man verschiedene Arten finden, so z.B. das März- bzw. Wohlriechende Veilchen (Viola odorata) und das Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana). Bei ersterem ist der Name Programm: Zum Einen verströmt das Wohlriechende Veilchen bei Sonnenschein einen Duft, um Insekten anzulocken und wird deshalb sogar für die Parfumherstellung verwendet. Bei schlechtem Wetter duftet es dagegen nicht, da dann auch keine Insekten unterwegs sind. Zum Anderen deutet der Name März-Veilchen auf einen frühen Blühzeitpunkt im März hin. Das Wald-Veilchen fängt erst rund einen Monat später an zu blühen.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, wachsen viele Frühblüher direkt am Wegesrand. Jetzt sind die meisten zwar schon wieder verblüht, doch ein paar finden sich immer noch. Halten Sie also die Augen offen!

Weiterführende Informationen:
“Frühblüher” von Peter Rüther, Die Neue Brehm-Bücherei Band 661, ISBN 3894329165
Buschwindröschen bei Wikipedia
Gelbes Windröschen bei Wikipedia
Scharbockskraut bei Wikipedia
Hohe Schlüsselblume bei Wikipedia
Geflecktes Lungenkraut bei Wikipedia
Hohler Lerchensporn bei Wikipedia
März-Veilchen bei Wikipedia
Wald-Veilchen bei Wikipedia

 

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