Frühblüher III

Ende Mai sind die am spätesten blühenden Frühblüher so gut wie verblüht, doch es soll noch einmal zurückgeschaut werden, um die Arten zu betrachten, die nach Buschwindröschen und Co. im Wald zu finden waren (siehe Frühblüher II).

Aurorafalter / Orange Tip / Anthocharis cardamines Im April ist das zarte Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) auf vielen Wiesen im Waldpark zu finden. Eng mit seinem Erscheinen ist auch das Erscheinen der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) verbunden – diese Verbundenheit zeigt sich sogar in den lateinischen Artnamen. Die Schmetterlinge saugen nicht nur am Nektar der Blüten, sondern die Raupen fressen auch die heranreifenden Früchte. Wollschweber / Bombyliidae Neben dem Wiesen-Schaumkraut zählt die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) zu den bevorzugten Nahrungspflanzen der Aurorafalter-Raupen. Der Nektar dieser Pflanze wird von vielen Insekten gerne angenommen und so sieht man an sonnigen Tagen viele Bienen, Fliegen, Wollschweber und mehr um die Blüten herumfliegen und auf ihnen sitzen. Der Name “Knoblauchsrauke” lässt es schon vermuten: Diese Pflanze verströmt einen leichten Knoblauchgeruch. Im Mittelalter hat die Knoblauchsrauke eine gewisse Rolle als Gewürzpflanze gespielt, doch sie geriet etwas in Vergessenheit. Inzwischen entdeckt die moderne Kräuterküche die Knoblauchsrauke langsam wieder: Die feingehackten Blätter können in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen verwendet werden. Die schwarzen Samen der Knoblauchrauke lassen sich ähnlich wie Pfefferkörner verwenden und haben einen sehr scharfen Geschmack.

Und wo wir schon beim Essen sind: Waren die Teppiche der Buschwindröschen schon recht auffällig, so dominiert ab Anfang Mai ein Meer aus weißen Bärlauchblüten (Allium ursinum) den Wald (siehe auch Bärlauchblüte im Waldpark). Sein intensiver knoblauchähnlicher Geruch ist allerdings schon sehr viel früher im Jahr zu riechen und tritt man auf ein paar Blätter und steigt anschließend in sein Auto, hat man von diesem Geruch auch noch länger etwas. Bärlauch ist zwar komplett essbar, allerdings werden vorwiegend die Blätter verwendet und z.B. zu Dips, Kräuterbutter oder Pesto verarbeitet. Man muss beim Sammeln der Bärlauchblätter jedoch aufpassen, dass man sie nicht mit den Blättern von Maiglöckchen, Herbstzeitlosen oder Geflecktem Aronstab verwechselt. Diese drei Pflanzen sind äußerst giftig und der Verzehr kann tödlich enden.

Gefleckter Aronstab / Arum maculatum Der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) gehört ebenfalls zu den sehr spät blühenden Frühblühern. Seinen Namen hat die Pflanze von dunklen Flecken auf den pfeilförmigen Blättern, die jedoch nur bei einigen Populationen ausgebildet sind. Im Waldpark habe ich bisher nur ungefleckte Blätter gesehen. Betrachtet man die Blüte des Aronstabs, so fällt einem der violett-braune Kolben auf. Dies ist das Ende des Blütenstängels. Die männlichen und weiblichen Blüten befinden sich etwas weiter unten, in der kugeligen Auswölbung (Kessel) des Hüllblatts. Die Bestäubung des Aronstabs ist sehr interessant: Sie erfolgt vorwiegend durch die winzige, stark behaarte Schmetterlingsmücke (Psychoda phalaenoides), die auch „Abortfliege“ genannt wird, weil ihre Larven in stark belasteten Abwässern und Fäkalien leben. Die Weibchen werden durch den abendlich ausströmenden Harngeruch des Aronstabs angelockt, weil sie zu Unrecht einen Platz für ihre Eiablage vermuten. Wenn sie auf der Innenseite des Hüllblatts landen, rutschen sie an der mit winzigen Öltröpfchen besetzten Oberfläche herab und fallen in den Kessel. Im Laufe der Nacht platzen die Staubbeutel (männliche Blüten) auf und bepudern die gefangenen Insekten. Die weiblichen Blüten sind bereits reif und werden nun beim Hin- und Herlaufen der Fliegen bestäubt. Am nächsten Morgen, wenn die Fliegen ihren Dienst erfüllt haben, erschlafft das Hüllblatt und die ölige Substanz verschwindet, so dass die Besucher wieder entkommen können. Die Bestäuber selbst haben keinen Nutzen von ihrer “Zwangsarbeit”, so dass man den Aronstab eine Insektentäuschblume nennen kann.

Vierblättrige Einbeere / Herb Paris / Paris quadrifolia Bei der Vierblättrigen Einbeere (Paris quadrifolia) sieht man auf den ersten Blick, woher die Pflanze ihren Namen hat: An dem Pflanzenstängel befinden sich vier Blätter und am Ende des Stängels befindet sich eine Blüte bzw. Beere. Der wissenschaftliche Name “Paris” erinnert an eine griechische Sagengestalt: Als einfacher Hirte entschied Paris einen Schönheitswettbewerb, indem er der schönsten von drei Göttinnen einen Apfel überreichte. Der glänzende Fruchtknoten der Einbeere soll an diesen Apfel erinnern, während die vier Blätter Paris und die drei Göttinnen symbolisieren sollen. Es gibt allerdings auch Pflanzen, die 5 Blätter haben. Die ganze Pflanze ist giftig, denn sie enthält, besonders in den Beeren, Saponine. Der Genuss mehrerer Beeren kann zu Brechreiz, Magenkrämpfen und zum Tod durch Atemlähmung führen.

Die Blüte weiterer Frühblüher wie z.B. von Maiglöckchen oder Salomonssiegel konnte ich leider aufgrund des schlechten Wetters dieses Jahr nicht fotografisch festhalten. Doch nächstes Jahr gibt es ja wieder die Möglichkeit, alle Frühblüher zu entdecken und zu beobachten. Ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Spaß dabei!

Weiterführende Informationen:
“Frühblüher” von Peter Rüther, Die Neue Brehm-Bücherei Band 661, ISBN 3894329165
Wiesen-Schaumkraut bei Wikipedia
Knoblauchsrauke bei Wikipedia
Bärlauch bei Wikipedia
Gefleckter Aronstab bei Wikipedia
Vierblättrige Einbeere bei Wikipedia

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>